Und das Pendel schlägt nach … rechts.

Während alljährlich die Worten, „and the Oscar goes to …“ erwartungsvolle Unsicherheit und zweifelndes Hoffen begleiten, scheint der Rechtsruck vorgezeichnet.
Und das nicht nur in Europa. Aufgrund der eigenen Position wird dieser Rechtsruck als Ruck in die gesunde Mitte oder als Ruck ins kranke, rechte Eck erlebt und verstanden; entweder begrüßt oder bekämpft.
Unkenntnis war noch nie ein Hindernis, Emotionen freien Lauf zu lassen. Außerdem leben wir in einem postfaktischen Zeitalter. Ankündigen ersetzt schon lange Handeln. Besprechungen erbringen nur mehr das Ergebnis, neue Besprechungen anberaumen zu müssen. Banken bilden Rückstellungen in Milliardenhöhe für begangene Malversationen, die nur mit neuen Malversationen finanzierbar sein werden.

Vielleicht ist es nur den ruchlosen Hasspostings in den Sozialen Medien zu verdanken, dass Gewaltakte, die gesellschaftliche Veränderungen zwangsläufig mit sich bringen, bisher die Ausnahmen blieben. Vielleicht dämpft das Ich-poste-daher-bin-ich als ein Ventil die Aggressionen. Natürlich ist einer schriftlichen Auseinandersetzung in Form einer argumentativen Katharsis der einer niederknüppelnden Emesis der Vorzug zu geben.

Aber ein Miteinander durch konstruktive Diskussion dürfte sowohl der öffentlichen als auch der veröffentlichten Meinung derzeit fremd sein. Zu bequem scheint ein aktives Ruhen im passiven Gegeneinander; so bequem, dass sich die eigene Leistung im Warnen vor den verheerenden Folgen einer möglichen Leistung der „Anderen“ erschöpft.
Daher erfahren wir, dass wir einen – auf der Autobahn – rasenden Bundeskanzler haben. Wir erfahren, dass der mächtigste Oppositionsführer über Bürgerkrieg spricht. In der Heute steht nicht Wichtiges für Österreich und in der Österreich nichts Wichtiges für heute.

Hinter solchen Nachrichten werden die „wirklichen“ Probleme, die nur allzu bekannt sind, verborgen und unsichtbar. Es gibt keine einzige staatliche Aufgabe, die nicht einer „Evaluierung“ bedürfte. Ein Jammern über das Verschwinden des gewohnt planbaren Vertrauens in die Zukunft (das für manche gewissen Parallelen zum Untergang der Antike aufweist) bringt nichts und wäre daher müßig.

Vor einigen Jahren geistere durch die Sozialen Medien das Wortspiel:
10 years ago we had Steve Jobs, Bob Hope and Johnny Cash – Now we have no Jobs, no Hope and no Cash.
Sind dafür nur die da oben schuld?
Sind nur die da oben verantwortlich,
dass 1948 Mohandas Karamchand Gandhi, der keine Kosten scheute, möglichst sparsam und einfach zu leben,
dass 1963 JFK (noch heute wissen Schulkinder, wer John Fitzgerald Kennedy war), der seine Wahl mit „And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country. My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you, but what together we can do for the freedom of man,“ gewann,
dass 1968 Martin Luther King, dessen Bekenntnis „I Have a Dream“ patentiert wurde,
ermordet wurden?

Oder liegt es nicht an jeder Einzelnen und an jedem Einzelnen, sich aus der Hängematte der selbsterkorenen Redlichkeit zu erheben, und im Vertrauen, dass weder ein Bundespräsident Van der Bellen, noch ein Bundespräsident Hofer Jobs, Hope und Cash verwirklichen werden, aber dass ein sparsames und einfaches Leben, bei dem nicht hinterfragt wird, was der Staat für einen, sondern was der Einzelne für den Staat tun kann, Träume wahr werden lässt. 

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